Krebsforschung — Vincenz Czerny (DÄB 2)

Dieser Beitrag war ursprünglich zur Publikation im Deutschen Ärzteblatt (DÄB) vorgesehen, und zwar im Rahmen der von mir besorgten Rubrik “Medizingeschichte(n)”, die 2003 eingerichtet wurde:

http://www.aerzteblatt.de/archiv/39263/Medizingeschichte%28n%29-Heinz-Schott

Diese Rubrik wurde nach mehr als 180 Folgen durch die Redaktion eingestellt. 18 Beiträge, die nicht mehr publiziert werden konnten, erscheinen nun in diesem Blog (nummeriert, hier DÄB 2)

Zitat: „Ich glaube, daß man in ein Krebsinstitut nicht allein unheilbare Carcinome und Sarkome aufnehmen soll, sondern daß auch zweifelhafte Fälle, gutartige Tumoren, aber namentlich noch heilbare Anfangsformen des Krebses hineingehören, damit die Anstalt nicht zu ausschließlich den Charakter einer Siechenanstalt aufgeprägt erhält und damit durch die geheilten Fälle der Mut und die Hoffnung der Pflegebefohlenen und die Arbeitsfreudigkeit des Pflegepersonals aufrecht erhalten wird. Denn es darf nicht vergessen werden, wie deprimierend und lähmend auf die Ärzte und Krankenpfleger ein Saal voll sterbender Todeskandidaten einwirkt. Ärzte und Pflegerinnen müssen selbst Hoffnung haben, um Optimisten bleiben zu können und auch die Hoffnung bei den verzweifelten Kranken aufrecht zu erhalten.“

Vincenz Czerny: Das Heidelberger Institut für experi¬mentelle Krebsforschung (1912). Zitat nach Gustav Wagner/Andrea Mauerberger: Krebsforschung in Deutschland. Vorgeschichte und Geschichte des Deutschen Krebsforschungszentrums. Berlin, Heidelberg, New York […] 1989, Seite 32.

Der Heidelberger Chirurg Vincenz Czerny (1842-1916) initiierte das „Institut für experimentelle Krebsforschung“, das 1906 eröffnet und von ihm geleitet wurde. Czerny strebte, wie das Zitat belegt, die enge Verbindung der Arbeit am Krankenbett mit der wissenschaftlichen Forschung an. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, das 1964 als Stiftung des öffentlichen Rechts gegründet wurde, knüpfte an die von Czemy institutionalisierte Krebsforschung an.

Zitat: „Czerny […] war von einem ge¬radezu unverwüstlichen Optimismus. Dieser […] offenbarte sich nicht nur gegenüber neuen Mitteln, sondern auch gegenüber den Patienten. Es kam selten vor, daß Czerny einen Kranken als zu verzweifelt ablehnte. Selbst aussichtslose Fälle nahm er gerne in seine Klinik auf und suchte ihnen eine therapeutische Seite abzugewinnen. Wenn er mit dem Messer nicht mehr tun konnte, so verschmähte er die Anwendung anderer Mittel nicht, und manche alte, längst vergessene Tränkchen sah ich ihn seinen Kranken verordnen, wobei ihm seine Bekanntschaft mit der väterlichen Apotheke oft zustatten kam. Er hat sich selbst mir gegenüber als einen fanatischen Therapeuten bezeichnet.“

Friedrich (Fritz) Voelcker: Vincenz Czerny (1916). Zitat nach Gustav Wagner/Andrea Mauerberger: Krebsforschung in Deutschland. Vorgeschichte und Geschichte des Deutschen Krebsforschungszen¬trums. Berlin, Heidelberg, New York […] 1989, Seite 32. 

Friedrich Voelcker (1872-1955) habilitierte sich 1902 in Heidelberg für Chirurgie und folgte 1919 einem Ruf nach Halle. Er verfasste einen Bericht „Zur Eröffnung des Instituts für experimentelle Krebsforschung in Heidelberg“ (1906).

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