Kriminalspsychologie — Stigmatisierung der Homosexualität (DÄB 3)

Dieser Beitrag war ursprünglich zur Publikation im Deutschen Ärzteblatt (DÄB) vorgesehen, und zwar im Rahmen der von mir besorgten Rubrik “Medizingeschichte(n)”, die 2003 eingerichtet wurde:

http://www.aerzteblatt.de/archiv/39263/Medizingeschichte%28n%29-Heinz-Schott

Diese Rubrik wurde nach mehr als 180 Folgen durch die Redaktion eingestellt. 18 Beiträge, die nicht mehr publiziert werden konnten, erscheinen nun in diesem Blog (nummeriert, hier DÄB 3)

Zitat: „Psychisch sind die Homosexuellen stets abnorm. Häufig kriminell veranlagt, neigen sie zu den Fehlern beider Geschlechter, sind frivol, egoistisch, eifersüchtig, falsch, putzsüchtig. Oft haben sie ästhetische Neigungen, Sinn für Malerei und Musik, für das Theater. Aus diesem Grunde finden sich auch nicht sehr selten Homosexuelle unter Schauspielern, Künstlern, Malern und Musikern.
Geborene Verbrecher und Homosexuelle entstehen durch ähnliche hereditäre Noxen. [1] Beide Varietäten sind Abkömmlinge von Epileptikern, Neuropathen, disäquilibrierten oder senilen Eltern. Alkoholiker haben mehr kriminelle Deszendenz. [2] Das Alter von 15 bis 25 Jahren ist für beide Abarten, namentlich aber für den Verbrecher, besonders schlimm. Beim Homosexuellen wiegt das Hysteroide, beim Verbrecher das Epileptoide vor. Beiden gemeinsam ist die Haltlosigkeit im Affekt und die Frühreife.“

Cesare Lombroso: Neue Verbrecherstudien. Übersetzung aus dem Italienischen von Ernst Jentsch. Halle 1907, Seite 150 f. – Das Zitat ist aus dem Unterkapitel „Zur Pathologie der Sexualität“ entnommen.

Cesare Lombroso (1836-1909), italienischer Psychiater, beklagte – als Jude – den Antisemitismus seiner Zeit. Er beeinflusste – unter anderem durch seine Bücher „Genie und Irrsinn“ (1864) sowie „Der geborene Verbrecher“ (1876) – nachhaltig das rassenbiologisch geprägte Menschenbild in Medizin und Jurisprudenz (insbesondere in der forensischen Psychiatrie). Die NS-Ideologie bediente sich später intensiv seiner Kriminalanthropologie.

[1] So genannte „Keimgifte“, wie zum Beispiel Alkohol.

[2] Nachkommenschaft. – Die Thematisierung der Homosexualität im Kontext von Krankheit und Verbrechen widerspricht grundsätzlich dem heutigen Menschenbild in Medizin und Alltagsleben. Eine solche Einstellung war im frühen 20. Jahrhun¬dert vorherrschend und gipfelte in der Verfolgung der Homosexuellen während der NS-Diktatur

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