Chirurgie — Aseptische Operation (DÄB 14)

Dieser Beitrag war ursprünglich zur Publikation im Deutschen Ärzteblatt (DÄB) vorgesehen, und zwar im Rahmen der von mir besorgten Rubrik “Medizingeschichte(n)”, die 2003 eingerichtet wurde:

http://www.aerzteblatt.de/archiv/39263/Medizingeschichte%28n%29-Heinz-Schott

Diese Rubrik wurde nach mehr als 180 Folgen durch die Redaktion eingestellt. 18 Beiträge, die nicht mehr publiziert werden konnten, erscheinen nun in diesem Blog (nummeriert, hier DÄB 14)

Zitat:

„Wohl am einfachsten und anschaulichsten werden wir das Bild einer aseptischen Operation und Wundbehandlung gewinnen, wenn wir an ein typisches Paradigma anknüpfend zunächst schildern, in welcher Weise v. Bergmann [1] die Amputatio mammae ausführt. Wir wollen annehmen, die Patientin erwarte ihre Operation zur klinischen Stunde Nachmittags um 2 Uhr. Die Kranke erhält dann ausser dem Caffée Morgens 8 Uhr bis zur Operation nichts mehr zu essen und zu trinken, damit der Magen leer sei und nicht beim Chloroformiren Erbrechen eintritt, welches unangenehme Complicationen herbeiführen und auch die Asepsis stören kann, dadurch dass Erbrochenes auf das Operationsterrain gelangt. [2] Kurz vor der Operation erhält sie dann ein warmes Vollbad, in welchem mit besonderer Aufmerksamkeit der ganze Thorax und der der betreffenden Mamma entsprechende Arm abgeseift werden. Die Achselhöhle wird während des Badens rasirt und nach dem Baden wird die Kranke in ein mit frisch gewaschenem Leinenzeug überzogenes Bett gelegt. Sie wird darauf mit dem Bett in den Operationssaal gefahren. Inzwischen ist in verschliessbaren Verbandstoffbehältern der Verband und das Tupfmaterial (Gazetupfer) in dem Dampfsterilisator [3] des Operationssales sterilisirt worden und die verschlossenen Blechkästen stehen mit dem frisch sterilisirten Inhalt auf Tischen, welche mit sterilisirten Leinentüchern bedeckt sind.“

Curt Schimmelbusch: Anleitung zur Aseptischen Wundbehandlung. Mit einem Vorwort des Herrn Geh.-Rath Professor Dr. E. von Bergmann. Berlin: Hirsch-wald 1892, Seite 150 f.

Curt Schimmelbusch (1860-1895) war seinerzeit Assistenzarzt an der Berliner chirurgischen Universitätsklinik unter von Bergmann. Er war ein Pionier der Asepsis und hatte entscheidenden Anteil an der Einführung der neuartigen Technik der Dampfsterilisation; insbesondere ist die Entwicklung einer Blechtrommel für die Sterilisation des Verbandmaterials und der Operationskleidung mit seinem Namen verbunden sowie die Konstruktion einer Gesichtsmaske für die Tropfnarkose mit Äther oder Chloroform.

[1] Ernst von Bergmann (1836-1907), Chirurg, führte 1886 an seiner Berliner Klinik die Dampfsterilisation von Instrumenten ein und machte damit den entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Asepsis (Keimfreiheit).

[2] Von Anfang an war die Inhalationsnarkose – die Äthernarkose wurde 1846 eingeführt – mit schweren Nebenwirkungen belastet.

[3] Von Schimmelbusch entwickelt, siehe oben.

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