Heilpflanzen — Muskatnuss (DÄB 13)

Dieser Beitrag war ursprünglich zur Publikation im Deutschen Ärzteblatt (DÄB) vorgesehen, und zwar im Rahmen der von mir besorgten Rubrik “Medizingeschichte(n)”, die 2003 eingerichtet wurde:

http://www.aerzteblatt.de/archiv/39263/Medizingeschichte%28n%29-Heinz-Schott

Diese Rubrik wurde nach mehr als 180 Folgen durch die Redaktion eingestellt. 18 Beiträge, die nicht mehr publiziert werden konnten, erscheinen nun in diesem Blog (nummeriert, hier DÄB 13)

Zitat:

„Der Baum, auf dem die Muskatnuß wächst, ist heiß, das Holz und die Blätter haben für die Medizin wenig Bedeutung. Die Muskatnuß hat große Wärme und vortreffliche Kräfte. Ihr Genuß öffnet das Herz des Menschen und läutert sein Gefühl und verschafft ihm guten Verstand. Nimm Muskatnuß und gleichviel Zimt [1], etwas Gewürznelken [2] […], pulverisiere diese und mache mit etwas Mehl und Wasser daraus Brötchen. Ihr öfterer Genuß vertreibt die Bitterkeit des Herzens und der Seele, öffnet dein Herz und schärft deine Gefühle, mindert alle schlechten Säfte und macht dich stark.“

Aus der im 11. Jahrhundert entstandenen Schrift „Liber simplicis medicinae“ (auch: „Physica“ genannt) der Hildegard von Bingen (1098-1179); siehe Hildgard von Bingen: Naturkunde. Das Buch von dem inneren Wesen der verschiedenen Naturen der Schöpfung. Nach den Quellen übersetzt und erläutert von Peter Riethe. Salzburg: Müller 1959, Seite 22.

Hildegard von Bingen als Protagonistin der (hoch)mittelalterlichen Klostermedizin vertrat eine traditionelle, mit christlichen Motiven durchdrungene Natur(heil)kunde. Neben ihrer Phytotherapie sind heute in einem bestimmten Bereich der esoterischen Medizin („Hildegard-Medizin“) vor allem ihre Ratschläge zur Behandlung mit Edelsteinen (Lithotherapie) populär.

[1] Zimt galt seit der Antike bis weit in die Neuzeit hinein quasi als ein Allheilmittel.

[2] Im Mittelalter von den Arabern aus Ostindien nach Europa eingeführt, galten Gewürznelken bis zum 20. Jahrhundert auch als Arzneimittel (Kopf-, Herz-, Magenmittel).

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