Physiologie — Tierversuche (DÄB 17)

Dieser Beitrag war ursprünglich zur Publikation im Deutschen Ärzteblatt (DÄB) vorgesehen, und zwar im Rahmen der von mir besorgten Rubrik “Medizingeschichte(n)”, die 2003 eingerichtet wurde:

http://www.aerzteblatt.de/archiv/39263/Medizingeschichte%28n%29-Heinz-Schott

Diese Rubrik wurde nach mehr als 180 Folgen durch die Redaktion eingestellt. 18 Beiträge, die nicht mehr publiziert werden konnten, erscheinen nun in diesem Blog (nummeriert, hier DÄB 17)

Zitat:

Die experimentelle Medizin unter scheidet sich in ihrem Ziel von der beobachtenden Medizin in gleicher Weise, wie sich die beobachtenden Wissenschaften allgemein von den Experimentalwissenschaften unterscheiden. Das Ziel einer beobachtenden Wissenschaft ist, die Gesetze der Naturvorgänge zu entdecken, um sie voraussehen zu können; aber sie kann sie nicht ändern, noch nach Gutdünken beherrschen. Der Typus der Wissenschaften ist die Astronomie: wir können die astronomischen Vorgänge voraussehen, aber wir können an ihnen nichts ändern. Das Ziel einer Experimentalwissenschaft ist die Entdeckung der Gesetze der Naturvorgänge, nicht nur, um sie vorauszusehen, sondern in der Absicht, sie nach Belieben zu lenken und Herr über sie zu werden; solche Wissenschaften sind die Physik und die Chemie.

Claude Bernard: Einführung in das Studium der experi¬mentellen Medizin (1865). Dt. Ausgabe Leipzig 1961 (Sudhoffs Klassiker der Medizin, Bd. 35), S 275.

Der französische Physiologe Claude Bernard (1813-1878) war der bekannteste Exponent einer (tier-)experimentellen, rein naturwissenschaftlich orientierten Medizin in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

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