Strahlentherapie — Uterusmyom (DÄB 15)

Dieser Beitrag war ursprünglich zur Publikation im Deutschen Ärzteblatt (DÄB) vorgesehen, und zwar im Rahmen der von mir besorgten Rubrik “Medizingeschichte(n)”, die 2003 eingerichtet wurde:

http://www.aerzteblatt.de/archiv/39263/Medizingeschichte%28n%29-Heinz-Schott

Diese Rubrik wurde nach mehr als 180 Folgen durch die Redaktion eingestellt. 18 Beiträge, die nicht mehr publiziert werden konnten, erscheinen nun in diesem Blog (nummeriert, hier DÄB 15)

Zitat:

„Beispiel einer angeblich erfolgreichen Behandlung [1]: 47jährige Patientin mit sehr großem interstitiellen Myom, das im Volumen nahezu dem Kopfe eines Erwachsenen gleichkommt. Der Uterus reicht um drei Querfinger-breit über den Nabel. Heftige Blutungen von 10-12tägiger Dauer. Heftige, mitunter wehenartige Schmerzen. Außerdem lokalisierter Schmerz in der rechten Seite, Druck im Leibe, Mattigkeit, Herzklopfen, Schwindelgefühl, Anämie. Infolge der Blutungen erhebliches Sinken des Hämoglobingehaltes. Bestrahlung der Ovarien und des Uterus von drei Fokusstellungen aus mit je 5 H. [2] Verstärkung der nächsten Blutung, Tamponade. Vier Wochen nach der ersten Bestrahlung zweiter Bestrahlungszyklus, nachdem die Blutungen etwas schwächer auftreten. Nach drei weiteren Bestrahlungen ist der Uterus 4 Querfinger breit unterhalb des Nabels zurückgegan-gen. […] Sieben Monate nach Beginn der Röntgenbestrahlung ist der Zustand, laut Aussage des behandelnden Gynäkologen, ein guter, das Myom etwa von der Größe einer Orange. Amenorrhoe. Subjektives Befinden gebessert, speziell Kopfschmerzen und Mattigkeit. Anämie desgleichen. Hämoglobingehalt 85 Prozent. Leichte Ausfallerscheinungen, namentlich aufsteigende Hitze.“

Josef Wetterer: Handbuch der Röntgen- und Radiumtherapie. Ein Lehrbuch für Ärzte und Studierende. Band 2. München; Leipzig: Nemnich 1920, Seite 280.

 Der Autor Dr. med. Joesf Wetterer wird auf dem Titelblatt als „Spezialarzt für Haut- und Harnkrankheiten in Mannheim“ vorgestellt. Keine weiteren biografischen Daten auffindbar.

[1] Ein Beispiel von insgesamt „62 erfolgreich behandelten Fällen“ von Uterusmyom durch den Autor. Die Indikation zur Strahlentherapie war, wie das Zitat belegt, seinerzeit sehr viel breiter als in heutiger Zeit, in der die Bestrahlung nicht mehr zu den anerkannten Behandlungsformen des Uterusmyoms gehört.

[2] H: Symbol der Strahlungsenergie.

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