Magie, Sympathie und Resonanz im Kontext von Medizin- und Kulturgeschichte (2017)

Am 18. Mai 2017 hielt ich an der Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg (bei Bremen) diesen Vortrag im Rahmen des Wissenschaftlichen Seminars im Sommersemester 2017:

„Resonanz — Interdisziplinäre Perspektiven auf ein Modell“

auf Einladung von Frau Prof. Dr. Céline Kaiser, meiner ehemaligen Mitarbeiterin am Medizinhistorischen Institut der Universität Bonn.

Hier ist das Redemanuskript zum Download.

Hier ist die dazugehörige PPT-Präsentation.

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Wunder aus dem Buch der Natur: Empirie, Spekulation und Bildlichkeit in den Monographien und in den Miscellanea der jungen Academia Naturae Curiosorum (2016)

Redemanuskript meines (Teil-)Vortrags, den ich am 6.12.2016 am Studienzentrum der Leopoldoina in Halle (Saale) gehalten habe. [1]

Die Bilder meiner PPT-Folien sind  in den Text integriert.

Die Academia Naturae Curiosorum wurde bekanntlich 1652 von vier Ärzten in der Freien Reichsstadt Schweinfurt gegründet. Sie initiierten ein gemeinsames Forschungsprogramm, wie es Philipp Sachs von Lewenheimb (1627-1672), damals Stadtarzt von Breslau, in seinem Bewerbungsschreiben von 1658 zum Ausdruck brachte. Er schrieb an den ersten Präsidenten der Akademie Lorenz Bausch (1606-1665), dass die mannigfaltigen Schätze „aus der heiligen Schatzkammer der Natur“ gehoben werden sollten. Aber die Gelehrten „sollten das schöne Antlitz der Natur nicht an der Oberfläche betrachten,  vielmehr ihre innersten Eingeweide aufs wissbegierigste erforschen“. [2]   Nach dem Tod von Lorenz Bausch 1665 folgte ihm Sachs von Lewenheimb als Akademiepräsident. Er veröffentlichte den ersten Band der Miscellanea curiosa sive Ephemeridum medico-physica, ein wissenschaftliches Jahrbuch, das von Korrespondenten eingesandte „Beobachtungen“ (Observationes) versammelte. Ich nehme hier nur die beiden ersten Bände der Zeitschrift in den Blick, die 1670 bzw. 1671 unter der Regie von Sachs erschienen und . Ich greife dabei einige illustre Beispiele heraus. Insofern kann ich  lediglich einen fragmentarischen Einblick in ein Gebiet geben, das noch systematisch zu erforschen wäre. Ich möchte das Thema in fünf Schritten entfalten.

  1. Forschungsgemeinschaft: Academia Naturae Curiosorum und Royal Society

Wenn man sich die Korrespondenz zwischen  Henry Oldenburg, dem Sekretär der Royal Society und Sachs von Lewenheimb, dem Mitglied bzw. Präsidenten der Academia Naturae Curiosorum um 1670 ansieht, so fällt einem der hohe Respekt auf, mit dem sich die Vertreter der recht verschieden organisierten Wissenschaftsakademien begegnen.  In einem Brief an Oldenburg vom 12. Januar 1665 pries Sachs die führenden Männer der Royal Society, “welche die Wahrheit durch geeignete Experimente herausfinden wollen, in Eurer lobenswerten englischen Art. […] so führte ihre Liebe zum Erforschen der Warhheit die berühmten Bacon und Digby zusammen mit den genialen Harvey, Boyle, Charleton, Highmore, Glisson und Willis dazu, viel neues Licht auf die Medizin zu werfen.”[3] Und ziemlich bescheiden gibt Sachs die “schwächere Sturktur” der eigenen Akademie zu,  “sodass unser Kollegium, das so verstreut über die Provinzen im weiten Deutschland, von geringerer Stärke ist, als die hochberühmte Gesellschaft mit ihrem permanenten Sitz in London […] gesegnet mir königlichen Zuwendungen […] vollständig ausgestattet mit allem, was zur Durchführung von Experimenten nötig ist […] Wir Deutsche kennen nur engere Grenzen, Geldgeber mit schmaleren Geldbeuteln.  […] Unser Kollegium ist hier und dort verstreut; seine Mitglieder sind Ärzte, die von den Mühen ihrer Praxis erschöpft nur wenige freie Stunden für Naturexperimente finden.”[4]

Oldenburg antwortete in seinem Brief vom 30. Mai 1665, dass die Royal Society dabei sei, “die Naturforschung [philosophiam] auszubauen, nicht nur im Hinblick auf die Medizin, sondern auf alles, was die Nützlichkeit und Annehmlichkeit für das menschliche Leben betrifft […], indem sie in ihr [der Natur] Heiligtum  eindringt, zu diesem Zweck ist sie so geschäftig wie mit nichts anderem, einen Speicher, eine Schatzkammer an Beobachtungen und Experimenten aufzubauen.“[5] Im Anschluss daran unterstrich Oldenburg die Notwendigkeit, diesem Vorhaben entsprechend alle Funde durch eine Kombination der Ressourcen zusammenzutragen, und er forderte die deutschen Akademiekollegen auf, “uns mitzuteilen, was auch immer Ihr Land hervorbingt, das im animalischen, vegetabilen oder mineralischen Reich bemerkenswert ist.“ [6] In seinem Brief  an Sachs vom 14. März 1667, in dem er sich nach neuen Forschungsergebnissen aus Deuschland erkundigte, betonte Oldenburg noch einmal: “Es ist unsere Absicht, […] die Sache der Naturforschung [rem philosophicam] durch den Zusammenschluss der Geister („association of minds“ [iunctisque ingeniis]) voranzubringen.”[7]

Die hier zitierte Korrespondenz belegt einen aufgeschlossenen Dialog. Das gemeinsame Ziel war klar: Die “association of minds” [iunctisque ingeniis] zur Förderung der Naturforschung. Man versuchte, gegenseitig voneinander zu lernen und ignorierte nationale Grenzziehungen. Es wäre sicher interessant, in diesem Kontext den Einfluss der Rosenkreuzer-Idee einer wissenschaftlichen Aufklärung und „Generalreformation“ der Gesellschaft zu erforschen, die ein halbes Jahrhundert zuvor, am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges, die Gemüter der Gelehrten bewegt hatte. Angesichts der Grausamkeiten und gesellschaftlichen Zerstörungen war die Sehnsucht einer Humanisierung der Welt gerade im Bereich der Wissenschaften offensichtlicht. So wurde die Idee einer “association of minds” (Oldenburg), einer wissenschaftsaffinen Bruderschaft, die einander feindlich gesonnene Ideologien im Sinne der Naturforschung überwinden sollte, für Intellektuelle ziemlich attraktiv, vor allem für Naturforscher und Alchemisten in ihren akademischen Zirkeln.

 

  1. Naturphilosophie: Zur Leitidee der Akademiemitglieder

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war die Naturphilosophie mit ihren verschiedenen theoretischen und praktische Aspekten ein lebendiges Konzept, welches das Mikrokosmos-Makrokosmos-Modell, die natürliche Magie (Magia naturalis), die Signaturenlehre, alchemistische Prozeduren, hermetische Ideen usw. miteinander verknüpfte.  Bevor der erste Band der Miscellanea 1670 erschien, waren die Akademiemitglieder aufgefordert, Monographien über eine einzige Substanz oder ein bestimmtes biolgisches Objekt, etwa eine Pflanze, ein Mineral oder ein Tier zu verfassen und dabei insbesondere auf mehr oder weniger verborgene Heilkräfte zu achten. Beispielhaft sei auf das Frontispiez von Johann Michael Fehrs Anchora sacra, vel scorzonera [Schwarzwurzel] von 1666 verwiesen. (Abb. 1)

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Abb. 1: Johann Michael Fehr: Anchora sacra; vel scorzonera curiosa (Jena 1966): Titelblatt

Fehr folgte Lorenz Bausch nicht nur als  Präsident der Academia Curiosorum Naturae nach – er amtierte von 1666 bis bis zu seinem Tod 1686 –, sondern auch als Stadtphysikus von Schweinfurt. Das Bild zeigt die typische fundamentale Trinität: Gott – Natur – Mensch.  Blickt man auf das geöffnete Buch, die Bibel der Natur, die Heilige Schrift der zeitgenössischen Naturforscher, entdeckt man genau diese Trinität: die göttliche Feuerwolke auf der rechten Seite oben, die mit ihren Strahlen das menschliche Auge erleuchtet (es handelt sich um ein linkes Auge, das in jener Zeit das menschliche im Gegensatz zum rechten Auge Gottes bedeutete).  Somit ist der Mensch fähig, die Naturdinge im Buch der Natur zu studieren, im konkreten Falle die Schwarzwurzel (Scorzonera). Die medizische Symbolik ist offensichtlich: Der gelehrte Arzt mit dem Asklepiosstab, selbst als personifizierter Heilgott erscheinend, zeigt auf das natürliche Geschehen zwischen Leben und Tod – symbolisiert durch die beiden Heilschlangen, die mit ihen Köpfen auf die Seiten des Buchs weisen und die todbringendem Giftschlangen, die sich auf der Erde winden. Der Sinn ist, typisch für die Kunst der Emblematik, vieldeutig („überdeterminiert“ gemäß der Diktion von Sigmund Freud).

Ein anderer wichtiger Wesenszug der Naturphilosophie war die theoertische Vorstellung und bildliche Darstellung der Natur als Frau, als kosmische Alma Mater, welche die Naturdinge hervorbringt und insgeheim als Magierin im Dienste Gottes arbeitet. Die solchermaßen personifizierte Natura forderte die Naturforscher heraus, ihren Fußstapfen zu folgen, um ihren Geheimnissen auf die Spur zu kommen, wie auf dem Kupferstich von Matthäus Merian zu sehen. (Abb. 2)

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Abb. 2: Titelblatt des Musaeum Hermeticum (1677): Ausschnitt; Kupferstich von Matthäus Merian

In diesem Sinne ist das Frontispiz des ersten Bandes der  Miscellanea bezeichnend. (Abb. 3)

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Abb. 3: Miscellanea Curiosa, vol. 1, 1670, Frontispiz

Wir erblicken ein stilisiertes Pantheon. Das Tageslicht kommt von oben durch das opaion, auch „Auge“ genannt. Außer dem kaiserlichen Adler in der Mittes der Kuppel sind alle menschlichen Figuren weiblich. Zwei davon stellen Göttinnen dar: nämlich Physis (die Natur, hier der Isis ähnelnd) und Hygeia (die Heilgöttin). Die drei Naturreiche (das mineralische, animalische und vegetabile) knien vor dem Altar. Die Botschaft war klar: Die Akademiemitglieder sollten “die Geheimnisse der Mutter Natur [Omniparentis Naturae Arcana]” erforschen, um zum Ruhme Gottes die Rettung der Menschheit voranzubringen, wie es im Aufnahmedokument der Akademie für neue Mitglieder einige Jahre später zu lesen war.[8] Zusammenfassend ist festzuhalten, dass religiöses bzw. mythologisches Denken eng mit wissenschaftlicher Forschung verquickt war und einen intellektuellen bias bildete.

3.             Signaturenlehre: Die Natur als eine geheimnisvolle Designerin

Die Signaturenlehre war eine tragende Säule der frühneuzeitlichen natürlichen Magie (Magia naturalis). Naturdinge mit ähnlichen Qualitäten sollten demnach sympathetisch miteinander korrespondieren und entsprechend therapeutisch anwendbar sein. So vermutete man, dass das Mineral Hämatit, auf Deutsch “Blutstein”,  Blutungen stillen, alle möglichen Blutkrankheiten heilen und allgemein die Lebenskräfte stärken könne – wegen der roten, blutähnlichen Farbe des entsprechenden Pulvers.  So veröffentliche Lorenz Bausch in seinem Todesjahr 1665 seine Monographie über den Blutstein De Lapide Haematite , worin er auf 164 Seiten systematisch alle physiologischen und therapeutischen Wirkungen zusammentrug, die er aus den ihm bekannten medizinischen und pharmazeutischen Quellen aller Zeiten erschließen konnte.

Im ersten Band der Miscellanea finden sich nun eine Reihe von Bezügen zur Signaturenlehre, etwa wenn Sachs von Lewenheimb in der 48. Observatio von monströsen anthropomorphen Rüben (rapa monstrosa anthropomorphica) berichtet.  Die Abbildung zeigt eine “RADYS DER HEYDEN“, also eine Heidenwurzel, die angeblich 1628 in einem Garten gefunden wurde. (Abb. 4)

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Abb. 4. : Miscellanea vo. 1 (1670) Obersatio 48 von  Sachs von Lewenheimb

(Ein Sprung zum gerade erschienenen letzten Band der Acta Historica Leopoldina: Dessen Einbandbild zeigt diese „Radys der Heyden“. [Abb. 5])

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Acta Historica Leoopoldina  Band  65 (2o16)

Dass ein solcher monströser Fund die Aufmerksamkeit erregte, ist keineswegs überraschend, wenn man bedenkt, wie stark gerade in der Botanik die  Wahrnehmung durch die traditionelle Signaturenlehre geprägt wurde. Klassisches Beispiel ist die anthropomorphe Gestalt der Mandragora (Alraune), deren Wurzel man seit der Antike magische Kräfte zuschrieb.  (Abb.en 6 und 7)[9]

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Abb. 6: Mandragora aus Disocurides Neapolitanus (um 700) nach Materia medica des Diskorides (1. Jh.)

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Männliche und weibliche Alraunen aus dem Hortus sanitatis (um 1498)

Sachs bezog sich in siner Observatio auf mehrere nahmhafte Autoren der Epoche, darunter Oswald Croll, Giambattista Della Porta und Athanasius Kircher. Er argumentierte hier ausdrücklicals Naturphilosoph, indem er die Schöpferkraft der Natur per se unterstrich: “Niemals ist die Natur müßig  [Nunquam Otiosa Natura], immer strebt sie nach Vervollkommnung, oft mit einem groben und oft mit einem kaum nachzuahmenden Pinsel, manchmal kunstfertig mit Meißel oder Töpferscheibe, indem sie versucht, die menschliche Gestalt nachzumachen, die vollkommenste Schöpfung, oder zumindest andere natürliche Dinge abzubilden.“[10] (Übrigens lautet der Leitspruch der Akademie bis heute: nunquam otiosus. Er besagt letztlich: Die Naturforscher sollten die niemals müßige Natur nachahmen.) Sachs kam zum Schluss, dass die “hermetischen Ärzte” (Physici Hermetici) befähigt seien, aus den von der Natur hervorgebrachten Signaturen die Heilkräfte der Pflanzen (vires herbarum) abzuleiten.[11]

Im Folgenden möchte ich auf einige Abbildungen verweisen, die den Einfluss der Signaturenlehre in der Anfangszeit der Miscellanea belegen. Die Observatio 111 im ersten Band präsentiert ein Crucifuxus ex radice crambes enatus (Kruzifix, einer Meerkohlwurzel entsprossen).[12] (Abb. 7)

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Abb. 7: Kruzifix aus einer Meerkohl-Wurzel entsprossen; Miscellanea vol. 1 (1670) Observatio 111 (von G. S. Jung)

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Abb. 8: Crucifixum Donsae; aus: Appendix […] Ad Annum Primum Miscellaneorum (1671); Kommentar von Sachs von Lewenheimb zur Observatio 111

Der Autor Georg Sebastian Jung (1642/43-1682), ein Wiener Hofarzt, charakterisierte diese Wurzel als ein “Stupendum Naturae miraculum” (ein verblüffenfes Wunder der Natur). In seinem ausführlichen Kommentar führte Sachs von Lewenheimb ein anderes Beispiel einer kruzifixartigen Wurzel vor.[13] (Abb. 8)

Diese Wurzel einer Lilie war auf ein Kreuz fixiert und wurde in Donsa (Deinze), einer Stadt in Ostflandern ausgestellt (Crucifixum Donsae). Es war mit einem silbernen Kruzifix verblendet und spielte, wie Sachs berichtet, im religiösen Leben eine Rolle. Auch solche ethnographische Daten waren also von Interesse. Er erwähnte auch noch andere Beispiele in seinem Kommentar.In einer weiteren Obervatio beschrieb Georg Sebastian Jung ein Bild der Madonna (IMAGO B. MARIAE VIRGINIS CUM FILIO IN MINERA FERRI EXPRESSA) in einem Stück Eisenerz, das 1619 in Innerberg (heute: Eisenerz), einem alten Bergwerksort in der Steiermark, gefunden worden sei.[14] (Abb. 9) Ja, auch sein berühmter Zeitgenosse Athanasius Kircher habe, so Jung, analoge Marienbildnisse erwähnt.

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Das Bild der Madonna in einem Stück Eisenerz; aus Miscellanea vol.1 (1670): Observatio 113 (von G. S. Jung)

Neben solchen göttlichen Figuren offenbarten Naturdinge auch schlechthin menschliche. So zeigte der polnische Botaniker und Arzt Martin (Marcin) Bernhardi de Bernitz (1625-1682)[15] in seiner Observatio Orchideen mit menschentragenden (Anthropophoros) Blüten – männlichen und weiblichen Blüten.[16] (Abb.en 10 und 11)

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Abb. 10: „Männliche“ Blüten tragenden Orchideen; aus Miscellanea vol. 2. (1671): Observatio 41 (von M. Bernhardi de Bernitz)

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Abb. 11: „Weibliche“ Blüten tragende Orchideen; Quelle siehe Abb. 10

Orchideen boten ein Musterbeispiel für die traditionelle Signaturenlehre: Ihre hodenartigen (gr. orchis = Hoden) Wurzelknollen sollten männliche Potenz und Fruchtbarkeit anzeigen. In dieser Perspektive studierte Bernhardi besondere Orchideenarten, “Satyre”, wie er sie nannte (SATYRIORUM SPECIES SINGULARES) (Abb. 12)

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Abb. 12: Hodenförmitge Wurzelknollen der Orchideen; aus Miscellanea vol 2 (1671): Observatio 41 (von M. Bernhardi de Bernitz)

Die äußere Form der Wurzelknolle sollte also darin verborgene männliche Kraft anzeigen, was im Vergleich zum SATYRION CASTRATUM SEU EUNUCHUM  (siehe rechtes Bild) augenfällig schien. (Abb. 13)

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Abb. 13: Die Kastraten- oder Eunucheform der Orchideenwurzel (Quelle siehe Abb. 12)

Damit wird jene Sicht bestätigt, die bereits von berühmten Naturforschern des 16. Jahrhunderts, wie Giambattista Della Porta oder Leonhart Fuchs ins Bild gesetzt worden waren. Ein anderes Beispiel gibt der Stadtarzt Georg Seger (1629-1698) in seiner Observatio eines anthropomorphen Pilzes (Fungus Anthropomorphos), der angeblich in den Wäldern von Altdorf 1661 gewachsen sei.[17] (Abb. 14)

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Abb. 14: Ein anthropomorpher Pilz; aus Miscellanea vol. 2 (1671), Observatio 55 (von M. Bernhardi de Bernitz)

bild16Es gibt eine Gruppe von Beobachtungen, die sich explizit mit Monstrositäten auseinandersetzten, einem seinerzeit immer noch populären Gegenstand, freilich jetzt ohne religös-moralische Deutungen und Vorhersagen, wie sie im 16. Jahrhundert noch gang und gäbe waren. Ein eindrückliches Beispiel ist das monströse Lungenmoos (MUSCUS PULMONARIS MONSTROSUS), das Bernhardi in einer anderen Observatio abhandelte.[18] (Abb. 15) Er war vom larvierten Gesicht (Facies larvata) fasziniert und erzählt uns, dass er dieses wunderbare Spiel der Natur (Mirum Naturae lusum) zufällig auf einer Eiche gefunden habe, als 1657 durch einen Wald spazierte.

Offensichtlich bestand der epistemische Wert solcher Bilder nicht in erster Linie darin, eine umfassende Sammlung von ähnlichen Naturobjekten anzulegen, die im Einzelnen zu registrieren, zu zeichen, zu klassifizieren und miteinander zu vergleichen seien. Vielmehr zeigten dies Bilder einzigartige, seltsame Naturdinge, Zufallsfunde, die den Betrachtern Zeichen und Wunder der arkanen, okkulten, schöpferischen Natur vor Augen führen sollten.

4.       Natürliche und medizinische Magie: Die Übertragung von Lebenskraft

Im ausgehenden 17. Jahrhundert war das Konzept der natürlichen Magie (Magia naturalis) für das Denken und Handeln von Ärzten und Naturforschern noch grundlegend. „Natürliche Magie” bedeutete so genannte weiße Magie: Eine Zauberkunst ohne Dämonen oder Teufelspakt, einzig und allein durch sorgfältiges Studium der Wunderwerke der Natur. Dieser Ansatz war von großer Bedeutung bei der großen und lang anhaltenden Kontroverse über die so genannte Waffensalbe, die sich von der ersten Hälfte des 16. bis zur zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hinzog. Die Salbe wurde auf die blutige Waffe (etwa Schwert oder Messer) und nicht auf die Wunde geschmiert und sollte die Wunde durch feine Ausdünstungen (effluvia) heilen, die rückläufig von der gesalbten Waffe zur Wunde strömen würden, selbst wenn der Verwundete viele Meilen entfernt sei. Ein Bestandteil der Waffensalbe unter vielen war das Moos von einem menschlichen Schädel (usnea cranii humani), vielfach von dem eines Hingerichteten. Dieser Brauch war immerhin auch dann noch populär, als die ersten Bände der Miscellanea erschienen, wie das folgende Beispiel zeigt.

Der bereits erwähnte Martin (Marcin) Bernhardi de Bernitz sandte eine sehr interessante Observatio an Sachs von Lewenheimb, der sie im zweiten Band der Miscellanea 1671 publizierte: Ruta muraria et muscus crustaceus in cranio humano (Mauerraute und verkrustetes Moos auf einem menschlichen Schädel).[19] (Abb. 16)

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Abb. 16: Mauerraute und Moos auf einem menschlichen Schädel; aus Miscellanea vol. 2 (1671): Observatio 53 (von M. Bernhardi de Bernitz)

 

Hier sieht man den Schädel, der angeblich 1652 gefunden wurde, also im Gründungsjahr der Akademie. Man kann die Mauerraute auf der Seite der Kalotte vom Moos auf dem Schädeldach unterscheiden. Es ist bemerkenswert, dass der Autor nicht den Schädel oder die Pflanzen darauf genauer beschreibt. Vielmehr dient diese Abbildung eher zur Erinnerung an die große Menge von Literatur, die sich mit dem therapeutischen Effekt besonderer Pflanzen, die auf menschlichen Schädeln wachsen, befasst. So zählt Bernhardi alle ihm aus der Literatur bekannten Kräfte und Anwendungen der usnea cranii humani (Bartflechte des menschlichen Schädels) auf. Sie sei wirksam gegen Epilepsie und andere Krankheiten des Kopfs, gegen Nasenbluten, wobei er sich auf Hildanus, Paracelsus und andere Autoritäten bezieht. Am meisten interessiert ihn jedoch die Zubereitung eines Amuletts mit Usneae microcosmi, seu Musci cranii humani (Moos vom menschlichen Schädel). Ein solches Amulett würde gegen Blutungen aller Art wirken, einschließlich verstärker Regelblutungen (bei der Frau), Hämorrhoiden (beim Mann) und Wunden. Selbstverständlich erwähnt Bernhardi die legendäre Waffensalbe (Unguentum Armarium), die auch von vielen anderen beschrieben und empfohlen worden sei, wie etwa Oswald Croll (1560-1609), Rudolph Goclenius d. J. (1572-1621) und Johan Baptist van Helmont (1580-1644). Die wichtigste Ingredienz dieser „magnetisch“ wirkenden Salbe war demnach das Moos vom Schädel eines Gehenkten. Die betreffende Observatio endet mit der Beschreibung einer praktischen Methode, die ihm ein Freund erzählt habe: Man könne das Moos innerhalb kurzer Zeit erhalten, indem man den Schädel mit Olivenöl einöle und ihn an einen abgeschiedenen Ort im Wald deponiere.

5.       Arbeitsprogramm: Die Enthüllung der Geheimnisse der Natur

In der frühen Neuzeit, als das Lesen in der „Bibel der Natur“ angesagt war, wollten die Gelehrten die geheimen Botschaften der Natur entschlüsseln, indem sie ihre wunderbaren, monströsen Signaturen nachspürten. Was konnte eindrucksvoller und überzeugender sein, als die Abbildung eines Naturdings, die einen schriftlichen Bericht illustrierte? Allerdings bedeuten solche Illustrationen nicht, dass sie Objekte als solche wiedergaben, um sie im Einzelen besser analysieren und beschreiben zu können. Eher handelte es sich um exemplarische Gegenstände, die ihre volle Bedeutung nur im gesamten Kontext der betreffenden Observatio erlangen konnten. Das Objekt wurde durch eine vergleichende Betrachtung aller Daten gedeutet, einschließlich der historischen Berichte. Es galt, die Funde so zu sammeln und zu arrangiren, wie es in den Naturalienkabinetten der frühen Neuzeit, den Wunderkammern, üblich war.  Insofern ähneln die die frühen Bände der Miscellanea einer virtuellen und sich ständig erweiternden Wunderkammer, in der die eingereichten Observationes in einem gemeinsamen Narrativ der Gelehrten wie in einer Schatzkammer angehäuft wurden.

Diese beschränkten sich keinewegs nur auf das Auffinden und Beobachten von Naturdingen als bedeutungsvolle Wunder der Natur. Sie umfassten auch dazugehörige historische Schilderungen und Dokumentationen, aber auch persönliche Berichte über individuell angestellte Experimente. Diesen Ansatz gemeinsamen Forschens könnte man mit zwei modischen Begriffen charakterisieren: networking und big data.  Der epistemische Gedanke der frühen Academia Curiosorum Naturae zielte auf wissenschaftliche Aufklärung. Der einzelne Naturforscher arbeitete im Verbund mit gegenwärtigen Freunden und Kollegen und – gleichermaßen wichtig – mit historischen Autoren und Zeugnissen. Nie war die Hoffnung größer als damals, die Menschen – man denke an die Schrecken des Dreißigjährigen Kriegs – mit Hilfe der Wissenschaft, der wissenschaftlichen Aufklärung, überwinden zu können.

Die Abbildungen aus den Miscellanea curiosa medico-physica Academiae Naturae Curiosorum sive Ephemeridum medico-physicarum germanicarum curiosarum; vols. 1 u. 2. Leipzig 1670 und 1671 sind online an verfügbar: https://archive.org

Literatur

Appendix seu Addenda Curiosa Omissorum Ad Annum Primum Miscellaneorum […]. Leipzig 1671.

Hall, A. Rupert & Marie Boas Hall (eds.): The Correspondence of Henry Oldenburg. Vol 7, 1670-1671. Madison, Milwaukee, and London 1970.

Miscellanea = Miscellanea curiosa medico-physica Academiae Naturae Curiosorum sive Ephemeridum medico-physicarum germanicarum curiosarum. Vol. 1: Leipzig 1670; vol. 2: Leipzig 1671.

Schott, Heinz: Medizin, Naturphilosophie und Magie. Johann Laurentius Bausch aus medizinhistorischer Sicht. In: Die Gründung der Leopoldina – Academia Naturae Curiosorum – im historischen Kontext. Johann Laurentius Bausch zum 400. Geburtstag. Ed. by Richard Toellner, Uwe Müller, Benno Parthier, and Wieland Berg. Acta Historica Leopoldina 49 (2008): pp. S. 191-214.

Endnoten

[1]    Vortrag (2. Teil), den ich gemeinsam mit Wolfgang Eckart im Rahmen der Wissenschaftshistorische Seminare am Leopoldina-Studienzentrum in Halle (Saale) am 6.12.2016 gehalten habe.

[2]    Vgl. Schott, 2008, p. 192.

[3]    Zit. n.  Hall and Hall (eds.), 1966, vol. II, p. 235: “in order to seek out truth by proper experiments, in your praiseworthy English way. […] so their love of inquiring after truth led the illustrious Bacon and Digby, with ingenious Harvey, Boyle, Charleton, Highmore, Glisson and Willis throw much new light upon medicine.” [Übersetzung der Zitate aus diesem Buch von H. S.].

[4]    Zit. ebd.:  “so our College dispersed over the provinces of broad Germany is of less strength than the Illustrious Society with its permanent seat in London […] cherished by royal grants […] quite furnished with everything necessary performing experiments […] We Germans know only narrower limits, magnates with slenderer purses […]. Our College is scattered hither and yon; its members are medical men exhausted by the cares of practice who find few spare hours for natural experiments.”

[5]    Zit. a.a. O., S. 401: “to reconstruct philosophy, not as it pertains to medicine alone, but as it concerns all that pertains to the usefulness and convenience of human life […] penetrating into her [Nature’s] very sanctuary, to this end it is busy with nothing so much as building up a store and treasury of observations and experiments.”

[6]    Vgl. ebd.

[7]    Zit. n. Hall and Hall (eds.), 1966, vol. III, S. 364 f.

[8]    Cf. Schott, 2008, p. 214.

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Alraune_(Kulturgeschichte)

[10]   Ibid., p. 139. “Nunquam Otiosa Natura semper ad perfectionem tendens, etiam saepè rudi, saepè vix imitabili pnicillo, inderdum etiam artificioso scalpro & plastico torno, Hominis, perfectissimae creaturae, figuram imitari, aut ad minimum alias res naturales effingere conatur.”

[11]   Ibid., p. 144.

[12] Miscellanea curiosa, vol. 1 (1570), pp. 261-262.

[13] Appendix seu Addenda Curiosa Omissorum Ad Annum Primum Miscellaneorum […] (1671), pp. 24-29.

[14] Miscellana curiosa, vol. 1 (1670), pp. 264-265.

[15] http://encyklopedia.acceptance.pwn.pl/index.php?module=haslo&id=3876439 (19.05.2016)

[16] Miscellanea Curiosa, Observatio 91: vol. 1 (1670), pp. 73-79.

[17] Miscellanea Curiosa, Observatio 55: vol. 2 (1871), pp. 112-113.

[18] Miscellanea Curiosa, Observatio 55: vol. 2 (16719, pp. 89-91.

[19] Observatio 53: Miscellanea curiosa, vol. 2 (1671), pp. 96-106.

Visualising the Signs and Wonders of Nature: The Mergence of Empiricism and Speculation in the Miscellanea of the early Academia naturae curiosorum (2016)

Diesen Vortrag hielt ich auf der Konferenz

“Taxonomy, translatability, and Intelligibility of Scientific Images“

17-18 June, 2016; Centre for Research in the Arts, Social Sciences and Humanities, University of Cambridge. Organized by the AHRC-funded project: Making Visible: the visual and graphic practices of the early Royal Society: http://www.crassh.cam.ac.uk/programmes/making-visible-the-visual-and-graphic-practices-of-the-early-royal-society

Hier mein Redemanuskript und die dazugehörige PPT-Präsentation (Link) am Ende.

 

Heinz Schott

Visualising the Signs and Wonders of Nature: The Mergence of Empiricism and Speculation in the Miscellanea of the early Academia naturae curiosorum:[1]

The Academia Naturae Curiosorum was founded by four medical doctors in the Free Imperial City of Schweinfurt in 1652. They inaugurated a collective research program, as Philipp Sachs von Lewenheimb (1627-1672), then town physician of Breslau (Wrocław) in Lower Silesia put it in his letter of application in 1658. He wrote to the president of the Academy Lorenz Bausch (1605-1665), that the manifold treasures “out of the sacred treasury of Nature” should be lifted. But the scholars “should not only view the beautiful visage of Nature until its surface, rather they should explore most curiously Nature’s innermost viscera”.[2] After the death of Lorenz Bausch in 1665 Sachs von Lewenheimb followed him as president of the Academy and initiated the first volume of the Miscellanea curiosa, a scientific annual collecting so-called observations (observationes) of the academic correspondents. I focus my paper on the very beginning of the Miscellanea Curiosa, namely volume 1 and 2, which appeared 1670 respectively 1671under the guidance of Sachs who died already in 1672. And I highlight just random samples I noticed looking through the volumes. So, I can only give a very fragmentary insight of what should be investigated systematically in detail. I will display my topic in five short chapters.

  1. The Academia Naturae Curiosorum and the Royal Society: a preliminary remark

When we look at the correspondence between Henry Oldenburg, the secretary of the Royal Society and Sachs von Lewenheimb, the member respectively president of the Academia Naturae Curiosorum about 1670, we notice a noble mutual appreciation of the rather different academic associations and their work. In a letter to Oldenburg (12. January 1665) Sachs praised the Royal Society’s “chief men in England in order to seek out truth by proper experiments, in your praiseworthy English way. […] so their love of inquiring after truth led the illustrious Bacon and Digby, with ingenious Harvey, Boyle, Charleton, Highmore, Glisson and Willis throw much new light upon medicine.”[3] And rather modestly he admits the “weaker structure” of his own Academy, “so our College dispersed over the provinces of broad Germany is of less strength than the Illustrious Society with its permanent seat in London […] cherished by royal grants […] quite furnished with everything necessary performing experiments […] We Germans know only narrower limits, magnates with slenderer purses […]. Our College is scattered hither and yon; its members are medical men exhausted by the cares of practice who find few spare hours for natural experiments”.[4]

Oldenburg replied in his letter (30 May 1665), that the Royal Society was about “to reconstruct philosophy, not as it pertains to medicine alone, but as it concerns all that pertains to the usefulness and convenience of human life […] penetrating into her [Nature’s] very sanctuary, to this end it is busy with nothing so much as building up a store and treasury of observations and experiments.”[5] Then, Oldenburg stressed the necessity of bringing together all findings “by a combination of resources equal to the enterprise” and he claimed regarding the Academia Naturae Curiosorum “ to impart to us from thence whatever your land brings forth that is worthy of note in the animal, vegetable, or mineral kingdom”.[6] In another letter (14 March 1667) to Sachs inquiring new results of research in Germany again Oldenburg stressed: “it is our purpose […] to promote the cause of philosophy by the association of minds.”[7]

When Sachs sent the first volume of the Miscellanea curiosa to the Royal Society in 1670, Oldenburg “earnestly congratulated” him and “Philosophy herself” (2 February 1671). The Fellows of the Royal Society would believe, he wrote, “that nothing can better increase the stock of true philosophy than if the learned and skilful of all nations continue to unite their ingenuity and investigations […] and bring safely into the philosophical granary their rich harvest of observations and experiments properly and honestly performed.”[8] Sachs admired the work of the Royal Society taking it as an antitype of his own academy. He excused the imperfection of the Miscellanea, when he wrote to Oldenburg (20. March 1671) “that certain matters may be found in our first year which merit censure no less than the negligence of the printer in making so many errors. But we shall be more cautious and vigilant in future years lest our bark strike upon the same rocks.”[9] He even suggested “to scatter some things out of the Transactions of the English here and there among our Miscellanies, so that (the English tongue being pretty unknown among Germans) those learned and curious papers may the more rapidly penetrate to the remote corners of Germany.”[10]

The quoted correspondence shows an open-minded dialogue. The common goal was clear: the “association of minds” to promote natural science (“philosophy”). One tried to learn from each other ignoring national features or frontiers. It would be interesting to explore the impact of the Rosicrucian idea of a scientific enlightenment and general reformation on the eve of the Thirty Years‘ War. In view of the cruelties and social destructions the desire for a humanisation of the world was obvious. So, the idea of an “association of minds” (Oldenburg) overcoming adverse ideologies in the light of Nature became rather attractive for intellectuals of all kind and especially for natural philosophers in academic circles. I may just mention the well-known “Invisible College” as a precursor group of the Royal Society. But I suppose that this idea of a scientific brotherhood was ubiquitous in Europe stimulating the foundation of scientific academies and their cooperation.

  1. Early modern natural philosophy: The leading idea of the Academy’s work

In the second half of the 17th century natural philosophy with its diverse aspects was still a vivid concept combining the microcosm-macrocosm-model, natural magic, the doctrine of signatures, alchemical procedures, hermetical ideas etc. Before the first volume of the Miscellanea was edited in 1670, the members of the Academy were requested to publish monographs dealing with one individual substance or biological entity, e. g. with a plant, mineral, or an animal especially looking for its more or less hidden therapeutic value. As an example I show you the frontispiece of Johann Michael Fehr’s Anchora sacra, vel scorzonera [i. e. black salsify] published in 1666. (Fig. 1) Fehr was the follower of Lorenz Bausch not only as President of the Academia curiosorum holding office from 1666 to 1686 but also as town physician of Schweinfurt.  The image displays the early modern perspective of a hierarchical order, a fundamental trinity: God – Nature – Man. When we look at the opened Book or Bible of Nature, the Holy Scripture for the early modern natural philosophers or naturalists, we notice that trinity: the divine fiery cloud on the top of the right page illuminating with its beams the human eye (it is a left eye and therefore not the eye of God).  So man is able to study the natural things in the Book of Nature, in this case the Scorzonera. The medical symbolism is obvious: The erudite doctor with the rod of Asclepius, a sort of personification of the healing God himself, pointing at the way of life symbolised also by the healing snakes whereas the way of death is symbolized by poison snakes on the soil. The emblematic meaning is ambiguous: Scorzonera as a remedy against snake poison? Snakes as incarnation of divine or evil powers? The wheel in the centre as a sort of holy anchor (Anchora sacra) encompassing the saving light of Nature?

Another important feature of natural philosophy was the imagery of Nature as a female figure like an Alma Mater producing natural things and working secretly as a cosmic magician in God’s service. The challenge for naturalists or natural philosophers was to follow Her footsteps and to find out her secrets. So the frontispiece of the first volume of the Miscellanea is significant. (Fig. 2) We see a stylised Pantheon. The light comes from above through the opaion also called “eye”. Apart from the imperial eagle in the middle of the dome all figures are women. Two of them personify Goddesses: Physis (resembling Isis) and Hygeia (the healing Goddess). The three realms of nature (mineral, animal, and vegetable) kneel before the altar. The message was clear: The academy members should “investigate the secrets of Mother Nature [Omniparentis Naturae Arcana]” to promote God’s glory and the salvation of mankind as it was stated in the Academy’s admission document for new members some years later.[11]

In summary, we can realize that religious respectively mythological thinking was closely linked with scientific investigation constituting an intellectual bias. The specific Weltanschauung shaped the objectives of natural philosophy according to the contemporary concepts. This will be demonstrated in the following two chapters regarding the imagery of the signature doctrine and natural magic.

  1. The impact of the doctrine of signatures: Nature as a designer

The doctrine of signatures was an important element of the early modern natural magic. Natural things with similar qualities would correspond sympathetically and could be used therapeutically: e. g. the mineral hematite (Blutstein) was supposed to stop bleeding, to heal blood diseases, and to strengthen the vital power because of its red (blood-like) powder colour. In 1665, in the year of his death, Lorenz Bausch published his monograph on the Hematite (Blutstein) describing on 164 pages the physiological and therapeutic effects systematically compiling all known medical and pharmaceutical sources of all times whatsoever.

In the first volume of the Miscellanea there are a lot of references to the doctrine of signatures. So, in the 48th observation Sachs von Lewenheimb deals with monstrous anthropomorphic roots (rapa monstrosa anthropomorphica).  The image represents a “root of pagans”, which was found 1628 in a garden. (Fig. 3) Such a marvellous or monstrous finding was very common then going back to the anthropomorphic view of mandrake (Mandragora) traditionally thought of holding magic powers since antiquity. Sachs referred to numerous early modern authors who dealt with this topic, among them Oswald Croll, Giambattista Della Porta, and Athanasius Kircher. He argues as a natural philosopher highlighting Nature as the creative power per se: “Never is Nature otiose (idle) [Nunquam Otiosa Natura], always she tends to perfection, even often with a rude and often with a hardly imitable paintbrush, sometimes with a skilful chisle and potter’s wheel trying to imitate the figure of man, the most perfect creature, or at least to depict other natural things.”[12] (By the way: The mission statement of the Academia ist until today “Never Otiose” (nunquam otiosus) implicating: The natural philosophers should imitate the never otiose Nature.) Sachs concludes that from the signatures produced by nature the “hermetic physicians” (Physici Hermetici) were able to deduce the “powers of the herbs” (vires herbarum).[13]

Now, I would like to show you very briefly a small series of images illustrating the impact of the doctrine of signatures at the very beginning of the Miscellanea. Observation 111 in the first volume presents a Crucifuxus ex radice crambes enatus (crucifix sprouted from a sea-kale [crambe] root).[14] (Fig. 4) The author Georg Sebastian Jung (1642/43-1682), court physician in Vienna, called this root a “Stupendum Naturae miraculum” (a stupendous miracle of Nature). In his elaborate comment Sachs von Lewenheimb highlighted another example of a crucifix-like root.[15] (Fig. 5) This root of a lily was fixed on a cross and exhibited in Donsa (Deinze), a town in Belgium (Crucifixum Donsae). It was superimposed by a silver crucifix and played a role in religious life. Insofar, also ethnographic data were of interest. In his comment, Sachs also referred to otherwise reported examples. Another observation written by Georg Sebastian Jung described the image of the Madonna (IMAGO B. MARIAE VIRGINIS CUM FILIO IN MINERA FERRI EXPRESSA) within a piece of iron ore found in 1619 in Innerberg, an old mining town in Styria (Austria).[16] (Fig. 6) According to Jung, also Athanasius Kircher, the famous contemporary, would have mentioned analogue effigies of Maria.

Besides such numinous figures there are a series if anthropomorphic ones. So, the Polish botanist and medical doctor Martin (Marcin) Bernhardi de Bernitz (1625-1682)[17] showed in his observation orchids with “anthropophoric” blossoms: male and female.[18] (Fig. 7a/b) Orchids were paradigmatic for the traditional doctrine of signatures relating generally to the testicle-like root tubers indicating virility. So, Bernhardi studied the singular species of these, as he called them, Satyrs (SATYRIORUM SPECIES SINGULARES) (Fig. 8a/b) The form of the root tubers were significant for virility, as you may perceive when you look at the SATYRION CASTRATUM SEU EUNUCHUM.  Another example gives the town physician Georg Seger (1629-1698) in his observation of an anthropomorphic mushroom (Fungus Anthropomorphos), which grew in the woods of Altdorf in 1661.[19] (Fig. 9) Another cluster of observations focused on monstrosities, a still quite popular topic then. I show just one example: The monstrous pulmonary moss (MUSCUS PULMONARIS MONSTROSUS) in another observation of Bernhardi.[20] (Fig. 10) He was fascinated by the disguised face (Facies larvata). The author tells us that he found this marvelous joke of Nature (Mirum Naturae lusum) by chance on an oak tree walking through a wood in 1657.

Obviously, the epistemic value of those images was not a comprehensive collection of similar natural objects which had to be registered, sketched, classified, and compared with each other. In fact, the images showed singular and peculiar natural objects, chance finds, demonstrating signs and wonders of the arcane, occult, creative Nature.

  1. Natural Magic and medical magic: The transfer of vital powers

The concept of Magia naturalis or natural magic was during the outgoing 17th century still a leading one for physicians and natural philosophers (called Naturforscher in German or curiosi in Latin). Especially in herbal medicine and drug production scholars tried to find out most subtle and effective substances operating magically in the distance. Such an idea was due to alchemical and astrological speculations in the early modern period and specific for natural philosophers and alchemists like Paracelsus and Johan Baptist van Helmont in the 16th and 17th centuries. Natural magic means a so-called white magic: A magic without demons and devil pact gained only by a thorough study of Nature’s marvellous works. This approach was very essential for medical practice as the controversial debate on the so-called weapon salve (Waffensalbe) shows lasting about 150 years from the first half of the 16th up to the second half of the 17th centuries. This salve was put on the bloody weapon (and not on the wound) and was supposed to heal the wound magically by subtle effluvia going back to the wound and healing the injured even when he was many miles away. One out of many ingredients of the weapon salve and the most essential one was the “moss” or usnea (lichen) of a human skull, the so-called usnea cranii humani.  This magic approach was still popular when the first volumes of the Miscellanea appeared as can be demonstrated by the following example.

The above mentioned Martin (Marcin) Bernhardi de Bernitz (1625-1682) sent a very interesting Observatio to Sachs von Lewenheimb which was published in the second volume of the Miscellanea in 1671: Ruta muraria et mucus crustaceus in cranio humano (i.e. wall-rue [German: Mauerraute] and crustaceous moss on a human skull).[21] (Fig. 11) Here you see the skull presumably found in 1652, the same year when the Academy was constituted. We can distinguish the wall-rue on the side of the calvarium from the crustaceous moss on the top of it. It is remarkable that the author does not describe the skull or the plants on it as such. The skull is just a reminder of the huge amount of traditional literature dealing with the alleged therapeutic effect of specific plants growing on human skulls.

So, the author refers to the well-known authorities like Athanasius Kircher, Pliny, Aristotle, Theophrastus without any historical periodisation and at the same time he highlights less prominent colleagues of his century like Kaspar Pantzer (1588-1656) from Königsberg[22] or Johann Chemnitius (1610-1651) from Brunswig reporting similar findings of overgrown human skulls.[23] Bernhardi enumerates all reported virtues and applications of the usnea cranii humani. It is supposed to be effective against epilepsy and other diseases of the head, nosebleed (here he refers even to Hildanus, Paracelsus and other authorities). But he is mainly interested in the preparation of an amulet using Usneae microcosmi, seu Musci cranii humani (here you may notice the confusion of lichen and moss). He recommends the preparation of amulets effective against all haemorrhagic disorders including those of the uterus, haemorrhoids and wounds. Moreover, several recipes for respective drugs, pills, and powders from well-known sources are quoted. Of course, Bernhardi mentions the legendary weapon salve (Unguentum Armarium) described and recommended by many others among them Oswald Croll (1560-1609), Rudolph Goclenius the Younger (1572-1621), and Johan Baptist van Helmont (1580-1644). And remarkably, the most important ingredient of this magnetically acting salve was the moss of the skull of a hanged man. The respective observation ends up in describing a practical method he was told by a friend, how one can get the moss within a short time by oiling the skull with olive oil and putting it in a remote and sylvan place.

 

  1. Conclusion

The confusion (or mergence, Verschmelzung) of empiricism and speculation in scientific procedures is not at all specific for the early modern situation. It is a general trait of research processes in the history of science. But in the early modern period when the reading in the Bible of Nature became more and more sophisticated we can see most clearly how perception and description in natural philosophy (Naturforschung) was coined ideologically by the concept of Nature as a female, creative, and secretly working power. Therefore. the scholars were interested in all sorts of hidden messages from Nature and were ambitious to study Her marvellous or monstrous signatures. And to objectify these: What could be more impressive and persuasive than a drawing illustrating the written report? So, we can find in the early volumes of the Miscellanea some of those illustrations. But this was not a novel attitude. It followed the illustrations of Della Porta (1535-1615) and the remarkable reception of his work. I should mention here: Della Porta had founded in Naples already in 1560 – about 100 years before the Academia curiosorum – the Academia Secretorum Naturae which was suspended by papal order in 1578 due to the inquisition.

It is essential to notice that those illustrations did not represent a well-defined object of scientific investigation per se, which had to be analyzed and described individually in detail. Rather, it was an exemplary natural thing which only made sense within the complete context of the respective observatio. The verification of the object was not achieved by a precise copy and sophisticated description, but by a comparative reconsideration of all available data one could get from past and present reports. The intention was lastly to collect and arrange natural things as it happened in the cabinets of wonder (Wunderkammern; or natural history collections). Perhaps, one can say: The Miscellanea resembled a cabinet of wonder on a large scale collecting the ongoing observations and accumulating them in a treasury: that is: the common narrative of the academics.

Finally, let us look at the general situation of the German Academy. In contrast to the Royal Society the Academia Curiosorum had no central working group discussing jointly scientific problems and experiencing the outcome of practical trials by means of laboratory facilities. But nevertheless, it also tried to constitute a scientific community bringing together the disperse members in a virtual communication by correspondences and primarily by their journal. The observations displayed in the Miscellanea did not only consist of searching and watching natural things as meaningful marvels of Nature. They included also corresponding historical narrations and documentations and also personal accounts of individual experimentations. In that perspective all collected observations should enlighten the secrets of Nature by assembling and composing the findings. One may characterize this approach with two modern terms: networking and big data revolution. And there is another interesting aspect: A sort of global drive transcending national borders and other obstacles like unsafe transportation – regarding not only persons but also letters and papers. The epistemic idea of the early Academia Curiosorum was not to foster scientific progress reducing the complexity of Nature and forcing Her into an experimental machinery, but much more to generate scientific enlightenment observing, experiencing, and describing natural things by oneself, near friends and colleagues, and – at least equally important − historical testimonies. Therefore, I think, the early modern interaction of European Academies might be quite stimulating for us today – in a situation, whre historical reflexion is widely neglected in the discourse of natural sciences and biomedicine.

 

Illustrations

Fig. 1: Johann Michael Fehr: Anchora sacra; vel scorzonera; Ad normam et formam […] Jena, 1666: frontispiece

Fig. 2-11: Miscellanea curiosa medico-physica Academiae Naturae Curiosorum sive Ephemeridum medico-physicarum germanicarum curiosarum; vols. 1 and 2. Leipzig 1670 and 1671. Free download see : https://archive.org

 

Bibliography

Appendix seu Addenda Curiosa Omissorum Ad Annum Primum Miscellaneorum […]. Leipzig 1671.

Hall, A. Rupert & Marie Boas Hall (eds.): The Correspondence of Henry Oldenburg. Vol 7, 1670-1671. Madison, Milwaukee, and London 1970.

Miscellanea curiosa = Miscellanea curiosa medico-physica Academiae Naturae Curiosorum sive Ephemeridum medico-physicarum germanicarum curiosarum. Vol. 1: Leipzig 1670; vol. 2: Leipzig 1671.

Schott, Heinz: Medizin, Naturphilosophie und Magie. Johann Laurentius Bausch aus medizinhistorischer Sicht. In: Die Gründung der Leopoldina – Academia Naturae Curiosorum – im historischen Kontext. Johann Laurentius Bausch zum 400. Geburtstag. Ed. by Richard Toellner, Uwe Müller, Benno Parthier, and Wieland Berg. Acta Historica Leopoldina 49 (2008): pp. S. 191-214.

[1]     Conference: “Epistemic Images in Early Modern Europe: taxonomy, translatability and legibility” (tentative title) 17-18 June, 2016; Centre for Research in the Arts, Social Sciences and Humanities,University of Cambridge. Organized by the AHRC-funded project: Making Visible: the visual and graphic practices of the early Royal Society: http://www.crassh.cam.ac.uk/programmes/making-visible-the-visual-and-graphic-practices-of-the-early-royal-society

[2]    Quotation cf. Schott, 2008, p. 192.

[3]    Quotation cf. Hall and Hall (eds.), 1966, vol. II, p.235.

[4]    Quot. ibid.

[5]    Quot. ibid., p. 401.

[6]    Quot. ibid.

[7]    Quot. cf. Hall and Hall (eds.), 1966, vol. III, p. 365.

[8]    Quot. cf. Hall and Hall (eds.), 1970, vol. VII, p. 434.

[9]    Quot. ibid,  p. 528.

[10]   Quot. Ibid.

[11]   Cf. Schott, 2008, p. 214.

[12]   Ibid., p. 139. “Nunquam Otiosa Natura semper ad perfectionem tendens, etiam saepè rudi, saepè vix imitabili pnicillo, inderdum etiam artificioso scalpro & plastico torno, Hominis, perfectissimae creaturae, figuram imitari, aut ad minimum alias res naturales effingere conatur.”

[13]   Ibid., p. 144.

[14] Miscellanea curiosa, vol. 1 (1570), pp. 261-262.

[15] Appendix seu Addenda Curiosa Omissorum Ad Annum Primum Miscellaneorum […] (1671), pp. 24-29.

[16] Miscellana curiosa, vol. 1 (1670), pp. 264-265.

[17] http://encyklopedia.acceptance.pwn.pl/index.php?module=haslo&id=3876439 (19.05.2016)

[18] Miscellanea Curiosa, Observatio 91: vol. 1 (1670), pp. 73-79.

[19] Miscellanea Curiosa, Observatio 55: vol. 2 (1871), pp. 112-113.

[20] Miscellanea Curiosa, Observatio 55: vol. 2 (16719, pp. 89-91.

[21] Observatio 53: Miscellanea curiosa, vol. 2 (1671), pp. 96-106.

[22] http://viaf.org/processed/NUKAT|n%202011205077 (20.05.2016)

[23] http://ifp.rz.tu-bs.de/brandes/geobot/forsch_bs.html   (20.05.2016)

 

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