Dieter Janz — Mein Grußwort zu seinem 90. Geburtstag (2010)

Anlässlich des 90. Geburtstags von Dieter Janz fand am 20. April 2010 eine akademischen Feier an der Charité (Berlin) statt — an prominentem Ort: in der Ruine des ehemaligen Rudolf-Virchow-Hörsaals im Medizinhistorischen Museum. Als damaliger Vorsitzender der Viktor von Weizsäcker Gesellschaft hatte ich die Ehre, ein Grußwort an den Jubilar zu richten.

Hier das Redemanuskript als PDF zum Download.

Erst hinterher merke ich, dass ich das Grußwort bereits als Fließtext in einem früheren Blog-Beitrag veröffentlicht habe. Trotzdem lasse ich diesen Beitrag einfach mal stehen.

 

 

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Grußwort zum 90. Geburtstag von Dieter Janz (2010)

Grußwort zur akademischen Feier anlässlich des 90. Geburtstags von Dieter Janz in meiner Eigenschaft als Vorsitzender der Viktor von Weizsäcker Gesellschaft am 20. April 2010 in Berlin

Siehe hierzu auch diesen Blog-Beitrag mit PDF zum Download.

Verehrter Jubilar, lieber Herr Janz!

Zu Ihrem 90. Geburtstag darf ich Ihnen im Namen der Viktor von Weizsäcker Gesellschaft und Ihres Vorstands herzlich gratulieren. Ich verbinde unsere Glückwünsche mit einem herzlichen Dank für all das, was Sie für unsere Gesellschaft, geleistet haben. Deren Gründung im Jahre 1994 ging maßgeblich auf Ihre Initiative zurück und so dienten Sie ihr als erster Vorsitzender. Sie haben Viktor von Weizsäcker unmittelbar nach dem Krieg als Arzt und Lehrer in Heidelberg erlebt, was für Sie wohl äußerst eindrücklich war und so etwas wie eine Initiation bedeutet haben muss. Die anthropologische Medizin, ihr Umgang mit dem Patienten und ihre biographische Methode begeisterten Sie – ein Enthusiasmus, der Sie bis heute beflügelt, wenn ich das aus meiner Beobachtung so sagen darf.

Sie wurden Neurologe, und noch mehr als das: Sie wurden Epileptologe. Die Würdigung Ihrer Leistung auf Ihrem Arbeitsfeld, als Arzt, als Lehrer, als Forscher, als medizinischer Anthropologe, möchte ich Berufeneren überlassen. Als Medizinhistoriker ist mir aber der Begriff der Epilepsie aus den Hippokratischen Schriften vertraut: als so genannte „Heilige Krankheit“ (morbus sacer), die nach Meinung des antiken Autors durch natürliche Ursachen zu erklären und mit natürlichen, diätetischen Mitteln zu therapieren sei. Dass die „Fallsucht“, wie die Epilepsie später im Deutschen genannt wurde, im Laufe der Zeiten auch auf ganz andere Weise interpretiert wurde und durchaus unheimliche, dämonische, mystische Phänomene hervorbringen kann, denken wir nur an das Erleben der „Aura“, ist Ihnen, lieber Herr Janz, aus der unmittelbaren Konfrontation mit dem kranken Menschen besser bekannt als mir, einem allenfalls phantasiebegabten Schreibtischtäter.

Anstatt nun den unbefriedigenden Versuch einer Laudatio zu unternehmen und Ihnen etwas vorzuhalten, was Sie selbst ohnehin viel besser wissen, möchte ich lieber einige persönliche Anmerkungen machen. Wir haben uns im Januar 1996 zum ersten Mal im Medizinhistorischen Institut in Bonn getroffen. Sie kamen damals zusammen mit Herrn Jacobi zu mir mit dem Anliegen, den Nachlass Viktor von Weizsäckers, den seine Tochter Cora Penselin in Bonn verwahrte, in meinem Institut zu archivieren. Sie konnten nicht wissen, dass ich 30 Jahre zuvor in Heidelberg als junger Student in spannenden und spannungsreichen Seminaren von Wolfgang Jacob, meinem Doktorvater, in das Weizsäcker’sche Denken eingeführt worden war und sich für mich mit Ihrem Erscheinen gleichsam der biographische Bogen schloss. So sagte ich spontan zu, den Nachlass zu übernehmen. Daraufhin meinten Sie: „Sie müssen dann natürlich auf jeden Fall Mitglied der Viktor von Weizsäcker Gesellschaft werden!“ Und ich wurde Mitglied und der Nachlass konnte dann einige Jahre später ins Institut übernommen und durch Herrn Jacobi mit Hilfe eines dreijährigen DFG-Projektes bearbeitet werden.

Zuletzt möchte ich auf eine Gemeinsamkeit hinweisen, die mich mit Ihnen, lieber Herr Janz, gewissermaßen sympathetisch verbindet. Das ist unsere Pfälzer Heimat. Ich habe Sie nie so lustig, impulsiv und frei assoziierend erlebt, als in den Augenblicken, wo wir – zugegebenermaßen ein bisschen stammtischmäßig – in unser Pfälzer Wir-Gefühl eintauchten, zuletzt in einem Marbacher Weinlokal unweit von Schillers Geburtshaus. Für Nicht-Pfälzer ist dieses ozeanische, ja kosmische Gefühl schwer nachvollziehbar, das diese sehr begrenzte Region im Herzen auslöst. Ich zitiere aus der „pälzisch Weltgeschicht“ von Paul Münch einige Verse, die Sie mir beigebracht haben:

Do meene als die dumme Leit,

Wer Biecher schreibt, der war‘ gescheit;

Ich han emol e Buch geles‘,

Das war e kolossaler Kees;

Do hat em ener angelo.

Daß mer fascht grien worr is un bloo:

Er hat’s berechelt un gemeßt,

Wo’s Paradies als wär gewest:

Am Euphrat hinne bei de Derke,

Dort dät mer’s heitzeda noch merke.

[…]

Wer so e Kees schreibt is meschugge;

Mer braucht die Landkart anzugucke,

Dann sieht mer glei, ’s war nerjends als

In unsrer liewe, scheene Palz.

Nochmals herzlichen Glückwunsch und alles Gute!